Die Haupttreppe – die Treppenhalle
Die Geschichte des Schlosses Königswart beginnt im 13. Jahrhundert, als der böhmische König Premysl Otakar II. anordnete, hier eine Wachburg zu erbauen (siehe
Königswarter Burg). Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbauten die Herren von Zedwitz an der Stelle des heutigen Schlosses ein Renaissancefort. Nach der Schlacht auf dem Weissen Berg wurde die Domäne, einschliesslich der Burg und des Renaissanceforts, von Johann Reinhard von Metternich und seinen Brüdern erworben. Im 17. Jahrhundert ersetzte Philip Emmerich Metternich das Renaissancefort mit einem Barockschloss.
Fürst Clemens Metternich ererbte die Domäne Königswart im Jahre 1818. Zwischen 1820 und 1839 verwirklichte dann Pietro Nobile, ein Baumeister italienischer Herkunft aus Wien, nach den Ideen des Kanzlers eine Umgestaltung der Schlossanlage im Empirestil des Wiener Klassizismus.
Fürst Clemens Wenzel Lothar war der Staatskanzler Österreichs und zweifellos der bekannteste Mitglied der Familie Metternich. Das dritte Porträt von links zeigt den Kanzler im Alter von 68 Jahren. Er verbrachte ganze 47 Jahre ununterbrochen in Diensten von zwei österreichischen Kaisern Ferdinand I. (das zweite Bildnis von links) und Ferdinand des Gutmütigen (ganz rechts). An der linken Seite sehen Sie dann ein Bildnis des Vaters des Kanzlers Metternich, des Reichsgrafen Franz Georg. Bemerken Sie auch die zwei Bronzeplastiken neben der verglasten Tür: die linke ist eine Kopie der Statue „Moses“ von Michelangelo, die rechte ist eine Kopie der Statue „Milon von Kroton“ von Pierre Puget.
Der Dunkle Salon – das Vorzimmer
An der Wand hängt eine gobelinartige Pferdedecke, die um 1680 gewoben wurde. Auf dem Gobelin sind drei Jakobsmuscheln aufgenäht, die das ursprüngliche Wappen der Familie Metternich bildeten. Dieses Pilgerzeichen können Sie während der Besichtigung auch an anderen Gegenständen beobachten.
Die Porträtkollektion aus der Wende des 17. zum 18. Jahrhundert stellt einige bedeutende Herrscher und Adelige dar. Die aus Uralporphyrit hergestellte riesige Vase wurde dem Kanzler vom russischen Zaren Alexander I. geschenkt. Zwei barocke Möbelstücke ergänzen die Einrichtung dieses Vorzimmers.
Der Malachitsalon
Das Zimmer grenzt an die Gästezimmer des Südflügels, sowie an den Westflügel, der zu Repräsentationszwecken benutzt wurde. Zuerst diente dieser Raum als „zweites Seitenzimmer“, später als Garderobe und Ankleideraum. Heute können Sie hier einige Kunstgegenstände sehen, die dem Kanzler geschenkt wurden. Neben der Eingangstür befindet sich eine Kollektion der Malachitvasen aus Russland. Interessant sind auch zwei kleinere, aus buntfarbigen Steinen zusammengesetzte Bilder mit einem Hafenmotiv. Die Tische mit intarsierter Steinplatte wurden mit der Technik "in petra dura" in einer Werkstatt in Florenz hergestellt; geschenkt wurden sie dem Kanzler vom toskanischen Grossherzog Federico III. Das Stilleben mit Blumen und Obst wurde vom Wiener Maler Franz Xaver Petter im Jahre 1835 gemalt.
Das Kleine Arbeitszimmer
In das Zimmer darf man nur einsehen. Es ist als ein Herrenarbeitszimmer eingerichtet. In dem Raum dominiert der Empiretisch, der dem Kanzler gehörte. Die Serie von zehn Gemälden an der linken Wand stellt die Landschaft im Rheinland dar, woher die Familie Metternich stammte.
Der Blaue Salon
Der Blaue Salon diente traditionsgemäss als ein Privatboudoir der Fürsten. Heute sind hier einige mit Napoleon Bonaparte verbundene Gegenstände ausgestellt.
Neben dem Fenster hängt ein Gobelinbild, das nach dem Krönungsporträt von Napoleon gewoben wurde. In der Vitrine gegenüber dem Fenster sind auf dem dritten Gestell links Napoleons Haare (im Medaillon Nr. 210) zu sehen. Die Gemälde an der Wand zeigen seine beiden Gattinnen. Das rechte Porträt stellt die erste Ehefrau des Kaisers, Josephine Beauharnais dar. Nachdem Napoleon ihre kinderlose Ehe mit der Scheidung beendet hatte, heiratete er Marie Louisa - die Tochter des österreichischen Kaisers Franz I., die auf dem linken Porträt aufgezeichnet ist. Die Vermählung wurde vom Kanzler Metternich vermittelt.
Oberhalb der Vitrine sehen Sie den Sohn von Napoleon und Marie Louisa, den Herzog von Reichstadt, genannt „Junger Aar“, der im Alter von 21 Jahren gestorben ist. Nach dessen Tode beschenkte Marie Louisa den Kanzler mit Gegenständen, die Napoleon einst besass. Es handelte sich zum Beispiel um das Waschbecken in der linken Ecke, das der Kaiser während seiner ersten Verbannung auf der Insel Elba benutzte.
Das Kanzlerarbeitszimmer
Das Kanzlerarbeitszimmer im südwestlichen Turm gehörte zu den beliebten Salons dieses Schlosses. Clemens Wenzel Lothar wurde am 15. Mai 1773 in der deutschen Stadt Koblenz am Rhein geboren. Er nahm seine diplomatische Karriere als österreichischer Gesandter auf. Im Jahre 1809 wurde er zum Aussenminister des österreichischen Kaisers ernannt und seit 1821 bekleidete er zugleich den Posten des österreichischen Staatskanzlers. Im Jahre 1810 wurde ihm der höchste Orden der habsburgischen Monarchie, der Orden des Goldenen Vlieses, verliehen, und 1813 wurde er in den erblichen fürstlichen Stand erhoben. Zwischen den Fenstern hängt ein Porträt dieses erfolgreichen Politikers im Alter von 37 Jahren. Nach den Revolutionsereignissen im Jahre 1848 gab er seinen Kanzlerposten ab und flüchtete nach London. Nach Österreich kehrte er erst 1851 zurück. Damals verweilte er oft in Kynžvart. Er starb in Wien am 11. Juni 1859 im Alter von 86 Jahren. Seine sterblichen Überreste wurden in seiner Familiengruft in Plass bestattet.
Drei Gemälde stellen drei Ehefrauen des Kanzlers dar. Seine erste Ehefrau hiess Marie Eleonore, Gräfin von Kaunitz-Rittberg (zwischen den Türen). Metternich heiratete sie im Jahre 1795. Sie hatten insgesamt sieben Kinder, aber die Mündigkeit erreichten nur drei Töchter und der Sohn Franz Viktor, der jedoch im Alter von 26 Jahren starb. In der kurzen, nur zweijährigen Ehe Kanzlers mit Marie Antonie von Leykam, Gräfin von Beilstein (oberhalb des Kamins), wurde der Erbe Kanzlers - Richard Clemens - geboren. Die wunderschöne Marie Antonie, die um 33 Jahre jünger als der Kanzler war, starb 10 Tage nach der Entbindung. Nach dem Tode seiner zweiten Gattin heiratete Metternich zum dritten Mal, und zwar die ungarische Gräfin Melanie Zichy-Ferraris (das Porträt neben dem Fenster). Metternich war damals 58 Jahre alt, die Gräfin 26. Er hatte mit ihr fünf Kinder, von denen nur eine Tochter und zwei Söhne die Mündigkeit erreichten.
Inmitten des Zimmers befindet sich ein im Rokokostil hergestellter Arbeitstisch, der dem Kanzler gehörte. Der grosse Ausziehtisch diente während der Verhandlungen auf dem Wiener Kongress, der in Metternichs Regie verlief. Die Teilnehmer des Kongresses sind auf der Gravierung an der rechten Wand festgehalten.
Richards Bibliothek
Die Bibliothek wurde hier vom Kanzlers Sohn und Erben, dem Fürsten Richard Clemens, um 1870 aufgebaut. Sie umfasst nahezu 6000 Bänder; meistens handelt es sich um französisch oder deutsch geschriebene belehrende Literatur aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Der Mahagonibücherschrank ist mit einer bordoroten Brokattapete ergänzt. Der mit 4 Holzarten ausgelegte Fussboden ist ein Beispiel vollkommener handwerklicher Arbeit. Über dem Kamin hängt ein Porträt des Papstes Pius VII. In der hinteren rechten Ecke des Zimmers, dort wo es mehrere weisse Buchrücken gibt, befindet sich ein verstecktes Türchen. Diese, in den Malachitsalon führende Tür wird mit einer Feder unter dem Mahagonigesims geöffnet.
Die Bibliothek sagt uns viel über den weisen und gebildeten Fürsten Richard aus, dessen Ausbildung von seinem Hauslehrer - dem österreichischen Schriftsteller Adalbert Stifter - maßgeblich beeinflusst wurde (siehe
Über einen Spätsommer). Richard studierte dann in Wien, Paris und London. Den Fussstapfen seines berühmten Vaters folgend, nahm er im Jahre 1850 seine eigene diplomatische Kariere auf und wurde ein der vornehmsten Diplomaten seiner Zeit.
Der Grüne Salon
Der Name dieses Salons ist aus den Brokattapeten auf dessen Wänden abgeleitet. Der Salon ist mit vergoldeten, im Pseudorokokostil hergestellten Möbelstücken und mit einem Kristallglaskronleuchter eingerichtet. In der linken Ecke steht ein vergoldeter Geheimschrank, in der rechten Ecke ein weisser Rokokoofen aus dem 18. Jahrhundert.
Die hier hängenden Bildnisse zeigen einige Angehörige der Familie Metternich-Winneburg und der damals herrschenden habsburgischen Dynastie. Rechts von der Tür, die ins Nebenzimmer führt, hängt ein Porträt des jungen Richard von Metternich im Alter von sieben Jahren. Oberhalb der Tür können Sie ein Porträt von Maria Theresia sehen; links befindet sich Elisabeth, bekannt als Sissi. Das Porträt ihres Ehemannes, des Kaisers Franz Josef I., hängt an der Wand gegenüber. Zwischen den Fenstern bemerken Sie das Bildnis ihres Sohnes, des Kronprinzen Rudolf..
Auf den Tischen unterhalb der Fenster stehen drei Vasen aus Meissenporzellan.
Das Billardzimmer - das Spielzimmer
Das alte Speisezimmer des Kanzlers, das sich möglicherweise bereits im ursprünglichen Barockschloss befand, wurde auf Anordnung des Fürsten Richard in eine Billardhalle verwandelt, die ursprünglich im Nebenzimmer war.
Auf dem ersten Blick richtet sich Ihre Aufmerksamkeit auf den robusten russischen Billardtisch (178 x 360 cm), der dem Kanzler Metternich zusammen mit Billardstöcken und sechzehn Elfenbeinkugeln vom russischen Zaren Nikolaus I. geschenkt wurde (siehe
Das russische Billard). Über dem Tisch hängt ein einzigartiger Empirekronleuchter in Gestalt der Fischerwaagen, der in Holland um 1810 hergestellt wurde. Die Spieltische und Sofas aus Mahagoniholz wurden wahrscheinlich auch vom russischen Zaren übergeben. Auf diesen Tischen spielte man Bridge, Domino, Schach, und vor allem das beliebte Kartenspiel Whist.
Bemerken Sie die illusive Malerei auf der Decke, sowie die emailmarmorierte Verzierung an den Wandoberflächen. Auf dem Tisch zwischen den Fenstern bemerken Sie die mit schwarzem gebeiztem Holz und Eben ausgelegte Schmuckkassette aus dem 17. Jahrhundert.
Der Grosse Saal
Der grosse Prunksaal stellt den geräumigsten Raum der Schlossanlage dar. Hier empfing seine vornehmen Gäste schon der Urururgrossvater des Kanzlers – Graf Philip Emmerich; nach ihm hielten diese Tradition auch alle Erben in der Hauptlinie des Geschlechts ein (siehe
Berühmte Gäste auf dem Königswart).
Dem Saal dominiert ein Autorenreplikat der Statuengruppe „Amor und Psyché“ von Antonio Canova, dem bedeutendsten italienischen Bildhauer des 19. Jahrhunderts (siehe
Die fliegende Statuengruppe). Rechts bemerken Sie ein Porträt des russischen Zaren Nikolaus II. in Überlebensgrösse, darunter hinten Hebe und die griechische Dichterin Sappho, beide aus Carrara-Marmor. Gegenüber hängt ein Bildnis des österreichischen Kaisers Franz I., der dort als Grossmeister des Ordens des Goldenen Vlieses dargestellt ist. Darunter links sehen Sie zwei Statuen: Venus aus dem Bade steigend und rechts dann Psyche. Der Innenraum ist mit Empiremöbel und mit einem Kronleuchter aus böhmischem Kristallglas ergänzt. In der illusiven Malerei dieses Saales wiederholen sich die Wappen der einzelnen adeligen Familien, aus denen das Allianzwappen besteht. Es handelt sich um die Familien Metternich, Winneburg, Beilstein und Habsburg, sowie um das Kloster Ochsenhausen und um den Orden des Goldenen Vlieses.
Die Balkonfenster bieten Ihnen eine Aussicht in den englischen Park, der das Schloss umgibt. In dem Park, dessen Fläche sich fast auf 300 ha beläuft, befinden sich 10 Teiche und mehrere romantische Bauten, darunter auch eine Wassermühle aus dem Ende des 18. Jahrhunderts.
Der Speisesaal
In den Speisesaal darf man nur einsehen. Zu Lebzeiten des Kanzlers befand sich hier eine Ahnengalerie. Nach 1870 entstand hier auf Anordnung seines Sohnes, des Fürsten Richard, ein grosser Speisesaal mit hölzerner Täfelung. Die ursprüngliche Ahnengalerie blieb hier erhalten. Das grosse Gemälde oberhalb des Kamins zeigt den berühmtesten Ahnen des Kanzlers – Lothar von Metternich, den Erzbischof und Kurfürsten von Trier.
Das grosse vergoldete Tischservice mit Spiegeltabletts wurde von der Pariser Firma Thomire hergestellt. Fürst Richard und Pauline von Metternich erhielten es als ein Abschiedsgeschenk von der Stadt Paris im Jahre 1870. Im linken Geschirrschrank befindet sich ein vergoldetes Porzellanservice mit Kobaltverzierungen, das von Sevré (unweit von Paris) stammt.
Der Dunkle Rauchersalon - der Renaissancesalon
Dieser Raum heisst Renaissancesalon, weil die wertvollsten Exponate gerade aus jener Epoche stammen. Besonders prächtig sind vier Tafelbilder vom deutschen Maler Bernard Strigel aus dem Jahre 1510, die eine Legende über das Auffinden der Überreste des Heiligen Kreuzes schildern.
Der Legende nach fand Heilige Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin des Grossen, in Jerusalem das Heilige Kreuz, auf dem der Erlöser gekreuzigt wurde. Konstantin der Grosse unternahm dann eine Reise nach Jerusalem und brachte das Heilige Kreuz auf die Stelle, wo er nachher die Basilika des Heiligen Kreuzes gründete. Die erste Szene stellt Judas dar, wie er der Heiligen Helena verrät, wo sich das Heilige Kreuz befindet, die zweite Platte zeigt Konstantin den Grossen das Heilige Kreuz tragend, auf der dritten Platte ist Konstantins Marsch durch Jerusalem aufgezeichnet und die letzte Platte zeigt Konstantins Tod.
Rechts an der Wand hängt eine Tapisserie mit einer Jagdszene, die in Frankreich gegen das Ende des 16. Jahrhunderts entstand. Aus der Renaissancezeit stammt auch der Sandsteinkamin italienischer Herkunft.
Der Musiksalon
Dieser Raum, wo sich früher private Wohnkabinette der Besitzer befanden, erinnert heute an den Fürsten Richard Metternich und seine Gattin Fürstin Pauline. An der Wand hängt ein Porträt des Fürsten Richard. Ein Porträt der Fürstin Pauline sehen Sie auf dem Malerständer. Pauline war eine grosse Kunst- und Musikliebhaberin, der auch der hier ausgestellte Flügel gehörte. Während ihres Aufenthaltes in Paris, wo ihr Gatte den Posten des Botschafters bekleidete, propagierte sie tschechische Musik, vor allem die Werke von Bedřich Smetana. Sie machte sich auch um die Einführung Richard Wagners am Hofe des französischen Kaisers Napoleon III. verdienst. Richard Wagner beschenkte sie dafür mit einer Partitur, die jetzt ein Bestandteil unserer Sammlungen ist (siehe
„Mauline“ und Richard Wagner).
Auf dem kleinen Schrank zwischen den Fenstern sehen Sie Gipsabgüsse der Hände von Alexander Dumas dem Älteren und seiner Tochter Marie Alexandra. Diese Gegenstände erinnern uns an die freundschaftlichen Verhältnisse der Familie Dumas zum Fürsten Richard und dessen Gattin Pauline (siehe
Romeo und Julie vom Dumas). Dank dem fürstlichen Paar gelangen in unsere Sammlungen mehrere Manuskripte dieser Autoren von den "Drei Musketieren", sowie einige Manuskripte und Gemälde von Marie Alexandra Dumas.
Der Orientalische Gang
Rechts an der Wand hängt ein handgeknüpfter persischer Teppich, dessen Muster einen Baum des Lebens darstellt. Die schwarzlackierten hölzernen Truhen und Schmuckkassetten mit Perlmuttintarsie und Messingbeschlag wurden in Japan im 16., 17. und 18. Jahrhundert hergestellt. Zu dieser Kollektion gehören auch chinesische und japanische Porzellan- und sonstige Gegenstände, die in adeligen orientalischen Salons traditionsgemäss häufig vorkamen. In der Ecke neben dem Eingang steht eine mit goldenen Dekorationen verzierte Standuhr, die vom Madrider Meister Alfonso de la Bravo im Jahre 1550 hergestellt wurde. Der Uhrschrank ahmt chinesische und japanische Produkte nach. An der Wand gegenüber dem Fenster hängt eine persische kalligraphische Inschrift, die verkündet, dass alles in der Welt nur vergänglich ist (siehe
Harem-Kleid für die Königswarter Fürstin).
Das Schlosszeughaus
Das Schlosszeughaus im nördlichen Turm umfasst 220 Blank- und Feuerwaffen, die vom 16. bis ins 19. Jahrhundert benutzt wurden. Es handelt sich um verschiedene Degen, Schwerte, Säbel, Hellebarden und einzelne Rüstzeuge (siehe
Die Hallebarden aus dem Ausverkauf).
Neben der Tür unter den Zielscheiben befindet sich eine vollkommene Büchse, die zugleich als ein Spazierstock dienen kann (siehe
Der Spaziergang mit dem Rohrstock). Zwischen den Fenstern steht ein besonderes Schwert mit gewellter Klinke, mit dem man Stiele der feindlichen Lanzen durchhaute. Dieses Schwert wurde geschultert. Neben dem Schwert steht eine stilisierte Gestalt im Drahtmantel mit Haube und Hosen. Es handelt sich um ein romantisches Replikat der Bekleidung eines mittelalterlichen Kriegers (siehe
Valdstejn oder Wallenstein).
Inmitten des Zimmers liegen drei Hakenbüchsen. Hakenbüchsen sind mit einem gegossenen Haken versehen, die dem Krieger ermöglichten, diese Waffe fester zu stützten. Eine von ihnen trägt das Jahreszahl 1546 und das Wappen der Stadt Eger. An den Wänden und Gestellen befinden sich zahlreiche mit Perlmutt und Elfenbein reich ausgelegte Jagdwaffen.
Zwischen den nördlichen Fenstern befindet sich eine japanische Samurairüstung. Links hängt eine Zielscheibe, wo ein Kaiserdenkmal dargestellt ist (siehe
Wilddiebe und Scharfschützen). Das Denkmal steht übrigens im Schlosspark noch heute (siehe
Der neue Kaiser ist geboren). An der östlichen Wand hängen sieben Militär- und Duellpistolen und darunter können Sie einen ungarischen Magnatensäbel sehen. An derselben Wand neben der Tür hängen Armbrüste aus Steiermark und Egerland, die aus dem 17. Jahrhundert stammen. Ausserdem gibt es dort einen mit gravierten Ornamenten verzierten Eisenspanner.
Die Exposition zum Gedenken an Karl Huss I
In diesem Raum wohnte von 1827 bis zum Tode im Jahre 1838 der erste Verwalter des Schlossmuseums Karl Huss. Ein Porträt von Karl Huss und seiner um 21 Jahre älteren Ehefrau Sophie hängt rechts von der Nebenzimmertür.
Karl Huss ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Ursprünglich war er der letzte Scharfrichter von Eger (siehe
Die Hinrichtung auf der Burg Elbogen), wobei er dieses Gewerbe nach seinem Vater und Onkel vererbte. Schon während seiner Wirkung in Eger wurde Karl Huss ein bedeutender heimatkundlicher Forscher. Er verfasste eine vierteilige Chronik der Stadt Eger (siehe
Wenn es mit dem Ratsherr nicht klappt) und gründete ein Privatmuseum im Scharfrichterhaus, das sogar von Johann Wolfgang von Goethe besucht wurde. Zu weiteren berühmten Gästen gehörte auch der Kanzler Metternich. Als der verwitwete und kinderlose Karl Huss jemanden suchte, dem er seine Sammlungen übergeben könnte, schliess er einen Vertrag mit Kanzler Metternich ab. Nachdem er die Stadtvertretung von Eger um seine Freimachung vom Dienste offiziell ersucht hatte, siedelte er mit seinen Sammlungen nach Königswart über (siehe
Die große Beraubung auf dem Schloss Königswart).
In der Vitrine unter dem Fenster sind die ältesten Besucherbücher des Schlossmuseums mit Unterschriften bedeutender Persönlichkeiten von damals. Die zweite Vitrine zeigt die Apotheke und medizinische Instrumente des Kanzlers persönlichen Ärztes. Diese Gegenstände erinnern uns auch an eine weitere Profession von Karl Huss, nämlich an seine Heiltätigkeit. Der Tradition nach kassierte er von seinen Patienten für die Behandlung nur alte und ungültige Münzen, womit er den Grund zu seiner numismatischen Sammlung legte (siehe
Die große Beraubung auf dem Schloss Königswart).
Die Exposition zum Gedenken an Karl Huss II
In der Vitrine unter dem Fenster befindet sich eine Kopie einer Seite aus dem alten Besucherbuches von Huss-Museum in Eger, wo der Geheimrat von Goethe unter dem Datum 20. August 1823 eingetragen ist. Karl Huss war auch ein gewandter Zeichner, was auch seine eigenhändige farbige Zeichnung der Landschaft um Komorní Hůrka in der Nähe von Eger belegt. In der Vitrine an der linken Wand gibt es ein Hinrichtungsbeil, das - wie auch zwei Hinrichtungsschwerte und andere Instrumente - sein Onkel und danach auch er selbst in Eger benutzte (siehe
Die Hinrichtung auf der Burg Elbogen). In den Vitrinen an der rechten Wand sehen Sie Hölzchen und Baumharze mit eigenhändigen Beschreibungen von Karl Huss.
Das Oratorium und die Schlosskapelle
Im Oratorium der Schlosskapelle sind nur zwei Exponate ausgestellt: ein Marmorrelief mit dem Gesicht Christi des Dulders und ein Lehnstuhl, in dem der Fürst während der Gottesdienste sass.
Die Kapelle befand sich bereits im Barockschloss. Im Laufe der klassizistischen Umgestaltung wurde der ursprüngliche Altar in die Kapelle St. Anna in der benachbarten Gemeinde Stará Voda geschenkt. Der Hochaltar wurde für Kanzler Metternich auf Veranlassung des Papstes Gregor XVI. verfertigt und mit Reliquien des Heiligen Bonifatius und einigen Privilegien ausgestattet, wie es in der päpstlichen Dedikationsurkunde hiess (siehe
Königswarter St. Bonifatius). Das Altarbild, das vom Wiener Maler Anton Petter im Jahre 1832 gemalt wurde, stellt die Erscheinung des hl. Antonius von Padua dar. Die Marmorplastik links von dem Altar stellt den Schutzengel mit dem Kind. Diese Kapelle ist wirklich ein Kleinod der ganzen Schlossanlage. Gegenwärtig werden hier vor allem Hochzeitszeremonien veranstaltet (siehe
Hochzeitszeremonien).
Der Gang vor der Kapelle
In den weissen Bänken sass ursprünglich die Dienerschaft.
Die Kanzlerbibliothek I
Die Kanzlerbibliothek, wo Sie sich gerade befinden, gehört zu den bedeutendsten Bibliotheken in der Tschechischen Republik gehalten (siehe
Über einen Spätsommer). Sie umfasst mehr als 12 000 Titel in 24 000 Bänden. Unter den 160 Manuskripten befindet sich ein einzigartiges Fragment des Alten Testaments vom Ende des 8. Jahrhunderts. Die 230 Inkunabeln in 145 Bänden stellen dann die grösste Sammlung der Erstdrucke in der Tschechischen Republik dar, zu der unter anderen die Chronik von Magdeburg, die Französische Chronik, handschriftliche Bruchstücke aus dem Alten Testament oder ein Manuskript von Lope de Vega gehören (siehe
Spanien in Königswart).
Der Grundbestand dieser Bibliothek stammt aus zwei unermesslich wertvollen Büchersammlungen, die der Familie Metternich gehörten. Sie wurden vom Kanzler nach Königswart bereits nach 1828 überführt und um neue, dank seiner zielbewussten Sammlungstätigkeit erworbene Zugänge ergänzt. Formell wurde die Bibliothek am 1. Januar 1845 gegründet. Die wertvollsten Manuskripte und Drucke stammen aus der aufgelösten Bibliothek des Benediktinerklosters in Ochsenhausen (in Schwaben). Einige Exemplare haben ihren Ursprung in der Bibliothek des Reichskurfürsten und Erzbischofs von Trier, Lothar von Metternich, des Kanzlers Urururonkels. Die Bücher sind vorwiegend lateinisch, französisch und deutsch geschrieben, weniger dann englisch und italienisch. Andere Sprachen kommen hier nur selten vor.
Inmitten des Saals befindet sich eine Büste des berühmten deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Links sehen Sie eine Büste des Kanzlers Metternich; die Büste auf der rechten Seite stellt Kaiser Franz I. dar. Auf den niedrigen Bücherschränken stehen Gipsmodelle der Grabsteine von Guiliano und Lorenzo Medizi aus der Sakristei der Kirche St. Lorenzo in Florenz.
Die Kanzlerbibliothek II
Inmitten des Zimmers steht eine Bronzebüste Homers, des Autors der Epen „Ilias“ und „Odyssee“. Ausserdem befinden sich dort zwei verglasten Modells griechischer Tempel. Das linke wurde aus Gips gemacht, das rechte aus Kork. Hinten links steht ein Drehkarussell aus Mahagoniholz, das zum Aufbewahren und Studium der Graphiken diente. Über der Tür des Nebenzimmers hängen vier Porträts der bedeutendsten Angehörigen der italienischen Familie Borgia.
Die jüngste (Pauls) Bibliothek
In der jüngsten Bibliothek sind Bücher der Vorkriegsbesitzer der Schlossanlage aufbewahrt. Es handelt sich um 5000 Bände, die meistens vom Ende des 19. Jahrhunderts stammen. In einzelnen Schubladen wurde früher eine reiche Münzensammlung aufbewahrt, die jetzt in Tresoren deponiert ist (siehe
Die große Beraubung auf dem Schloss Königswart).
Die Domäne Königswart gehörte dem fürstlichen Geschlecht Metternich bis zum Jahre 1945. Danach diente das Schloss eine kurze Zeit hindurch als das Hauptkommando der ersten Infanteriedivision der dritten US-Armee unter dem Generalmajor Clift Andrus. Die ersten Nachkriegsbesucher kamen her bereits im Jahre 1947. Im Jahre 1976 wurde die Anlage wegen der umfangreichen Rekonstruktion geschlossen. Im Juli 1994 wurde der Betrieb im Schloss teilweise wiederhergestellt. Seit 1. April 2000 ist die gesamte Führungstrasse zugänglich. Dieses staatliche Schloss ist vom Staatlichen Institut für Denkmalpflege in Pilsen verwaltet. Alle Kosten der anspruchsvollen Wiederherstellung dieser Schlossanlage wurden vom Staatsbudget der Tschechischen Republik, sowie vom Programm PHARE der Europäischen Union gedeckt.
Das Kabinett der Kuriositäten
Das Kabinett der Kuriositäten – das Schlossmuseum Kynžvart – gehört zu den ältesten öffentlichen Museen Europas. Insgesamt werden hier mehr als 2000 Exponate ausgestellt. Charakteristisch und auffallend ist die totale Überfüllung des Raumes mit Gegenständen, die man während der gewöhnlichen Führung nur schwerlich besichtigen kann.
In dem Schrank links von der Tür sind verschiedene Kleinigkeiten - in der linken Schrankabteilung sehen Sie Gipskarikaturen der in der Zeit von Louis Napoleon lebenden Staatsmänner, und dann eine Bombe und einen Dolch, die zum versuchten Attentat auf das Leben des Kaisers Napoleon III. im Jahre 1858 benutzt wurden (siehe
Das Jahrhundert der Erfindungen). In der rechten Abteilung sind verschiedene archäologische Funde ausgestellt, vor allem aus Ägypten, Rom und Pompeji (siehe
Die Antiquitäten aus Pompeji), z. B. ein Marmorfragment aus dem Tempel in Jerusalem oder eine ägyptische Kanope.
Auf dem Schrank liegen einheimische Musikinstrumente aus Nordafrika, sowie eine Nashorntrophäe. Unterhalb der Decke hängt ein chinesischer Sonnenschirm. Oberhalb der Eingangstür sehen Sie Speere aus Java, afrikanische Bögen und aus pazifischen Inseln stammende Keulen, die mit Haifischzähnen versehen sind (siehe
Souvenirs aus Reisen und Expeditionen und
Mit der Fregatte rund um die Welt). Auf dem zweiten Schrank (links von der Tür) stehen Puppen in Kostümen verschiedener Völker (siehe
Harem-Kleid für die Königswarter Fürstin). Der erste von links ist ein mexikanischer Holzträger und nebenan steht ein spanischer Torero.
Im Inneren des Schranks findet man vor allem Gegenstände, die an bekannte Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts erinnern. An der Wand am hinten hängen. zwei Kinderanzüge, die dem Fürsten Metternich (rosarot) und Don Carlos (gelb - siehe
Spanien in Königswart) gehörten. Auf Untergestell befinden sich hier ein Medaillon mit Haaren von Ludwig van Beethoven, Luigi Cherubini und Caspar Spontini in einer Messinglyra und ein Reliquienbehälter mit einem Fragment aus dem Sarg von Karl V. Auf dem darunterligenden Gestell rechts sehen Sie ein Gebetbuch der enthaupteten französischen Königin Marie Antoinette (Gattin des Königs Louis XVI. - siehe
Die Botschaft der hingerichteten Königin). In der rechten Abteilung sind einige technische Sehenswürdigkeiten ausgestellt - z. B. ein vergoldetes Papierstirnband chinesischer Bräute, ein Bruchstück des Unterseekabels, das auf dem Boden des Atlantischen Ozeans Europa mit Amerika verbunden hatte (siehe
Das Jahrhundert der Erfindungen), sowie ein Miniaturbuch mit Gedichten von Horaz.
Zwischen den Fenstern befindet sich eine vollständige japanische Samurairüstung. Die Gesichtsmaske und das Kleinod des Kriegers sollen seine Feinde eingeschüchtert haben. Inmitten des Saales steht der Schreibtisch von Alexander Dumas mit dem Photo dieses Schriftstellers (siehe
Romeo und Julie vom Dumas). Rechts von dem Tisch befindet sich auf dem Sockel eine Bronzestatue des sitzenden Kanzlers Metternich. Hinten an der Wand hängt eine arabische Wasserpfeife. In dem grossen Schrank in der Mitte sehen Sie einen braunen arabischen Reitersattel (siehe
Die Mumie vom ägyptischen Vizekönig).
Über dem Eingang ins Ägyptische Kabinett hängt ein echter australischer Bumerang. Rechts vom Eingang, auf dem niedrigen Schrank befindet sich ein Modell des während des amerikanischen Bürgerkrieges verwendeten Kanonenbootes Monitor (siehe
Was heißt Stinteroplastik).
Das Ägyptische Kabinett
Zum Kabinett der Kuriositäten gehört auch die ägyptologische Abteilung. Alle ausgestellten Gegenstände wurden dem Kanzler Metternich vom ägyptischen Vizekönig Muhmad Ali im Jahre 1828 geschenkt (siehe
Die Mumie vom ägyptischen Vizekönig). In dem grösseren hölzernen Sarg, den eine vergoldete Maske, ein vergoldetes Band und eine alte ägyptische Inschrift verzieren, liegt eine 3500 Jahre alte Mumie des ägyptischen Priesters Ken Amon, der den Schatz des Pharaos Thutmosis III. (18. Dynastie, 15. Jahrhundert v. Kr.) geschützt haben soll. In dem braunen und bunt verzierten Sarg aus der späteren Zeit liegt eine Mumie des ägyptischen Priesters Pentahutres.
In dem Empireschränkchen sehen Sie eine Kollektion altägyptischer Idole und Amulette, sowie drei kleine Nilkrokodilmumien. Das Vorhandensein von ägyptischen Denkmälern in Kynžvart hängt zeitgemäss mit den Anfängen der Ägyptologie um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert zusammen. Die Bibliothek in Kynžvart umfasst unermesslich wertvolle entsprechende Fachliteratur – zum Beispiel die 24-teilige Beschreibung von Ägypten (eines von nur zwei Exemplaren in unserer Republik und noch dazu das einzige, das vollständig erhalten geblieben ist).
Schloss Metternich in Kynzvart (Königswart), CZ-35491 Lazne Kynzvart
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